EU_Graphene_Editorial_17-09-2026_DEPRcom

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Europas Bauwirtschaft steht unter wachsendem Druck, den CO₂-Fußabdruck von Gebäuden zu verringern. Damit rücken neue Materialien in den Fokus, die den Zementverbrauch senken könnten, ohne die Festigkeit von Beton zu beeinträchtigen.

 

Die Europäische Kommission veröffentlichte im Dezember einen einheitlichen Rahmen zur Berechnung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials (Global Warming Potential, GWP) neuer Gebäude. Er erfasst die Emissionen von der Herstellung und dem Transport der Baustoffe bis hin zu Abriss, Recycling und Abfallentsorgung.

 

Ab 2028 müssen die CO₂-Auswirkungen aller Neubauten mit einer Nutzfläche von mehr als 1.000 Quadratmetern berechnet und in deren Energieausweisen ausgewiesen werden. Ab 2030 gilt diese Anforderung für sämtliche Neubauten.

 

Die Vorschriften schreiben keine bestimmten Technologien vor. Nach Angaben der Kommission sollen sie jedoch den Einsatz CO₂-ärmerer Baustoffe fördern, darunter auch klimafreundlichere Zementarten.

 

Für eine Branche, die weiterhin stark von Beton abhängig ist und zugleich ihre Emissionen reduzieren muss, ist dieser Wandel von erheblicher Bedeutung.

 

Der Gebäudebestand in der EU verursacht nach Schätzungen jährlich Lebenszyklusemissionen von 808 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Dies geht aus einem Arbeitspapier der Kommissionsdienststellen aus dem Jahr 2026 hervor, das auf einem Referenzjahr 2020 basiert. Auf graue Emissionen aus Materialien, Bau, Renovierung und Abriss entfallen 27 Prozent dieser Gesamtmenge.

 

Neubauten machten im Referenzjahr zwar nur rund ein Prozent der gesamten Gebäudefläche in der EU aus, waren jedoch für 18 Prozent der jährlichen Lebenszyklusemissionen des Gebäudebestands verantwortlich. In der Analyse der Kommission wurden Beton und Stahl als die beiden Materialkategorien mit dem größten Anteil an den grauen Emissionen identifiziert.

 

Nach Angaben der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission entfallen rund vier Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der EU auf die Herstellung von Zement und Beton. Ein großer Teil davon entsteht durch Klinker, den CO₂-intensiven Bestandteil von herkömmlichem Portlandzement.

 

Zementhersteller verfolgen verschiedene Ansätze, um dieses Problem anzugehen. Dazu zählen Klinkerersatzstoffe, alternative Bindemittel und die Abscheidung von CO₂. Ein weiterer möglicher Ansatz besteht darin, Zement und Beton geringe Mengen Graphen beizumischen, um Festigkeit und Dauerhaftigkeit zu verbessern.

 

Wenn sich dadurch der Zementanteil reduzieren lässt, ohne dass technische Standards beeinträchtigt werden, könnten die mit dem Endprodukt verbundenen Emissionen sinken. Eine höhere Beständigkeit gegen das Eindringen von Wasser und Chloriden könnte zudem die Lebensdauer von Betonbauwerken verlängern und so den Wartungs- und Erneuerungsbedarf verringern.

 

Das australische Unternehmen First Graphene Limited (ISIN: AU000000FGR3) gehört zu den Unternehmen, die diese Technologie kommerzialisieren wollen.

 

Nach Angaben des Unternehmens führten Tests mit seinen PureGRAPH-Additiven in geringer Dosierung bei Zement- und Betonproben zu Festigkeitssteigerungen von rund 25 bis 30 Prozent. Zudem berichtete das Unternehmen über eine geringere Durchlässigkeit der getesteten Materialien.

 

Für die traditionell konservative Bauwirtschaft ist jedoch entscheidend, ob sich diese Ergebnisse im industriellen Maßstab wiederholen und in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen.

 

First Graphene verweist auf die Zusammenarbeit mit britischen Baustoffunternehmen als Beleg dafür, dass die Technologie über das Laborstadium hinausgekommen ist.

 

Laut der Unternehmenspräsentation von First Graphene vom Juni 2026 wurden im Rahmen einer Partnerschaft mit der Breedon Group bereits mehr als 20.000 Tonnen PureGRAPH-haltiger Zement bei britischen Bauprojekten eingesetzt.

 

In einem separaten fünfmonatigen Produktionstest mit dem britischen Betonfertigteilhersteller FP McCann wurden mehr als 10.000 graphenverstärkte Betondachsteine hergestellt.

 

Für den Versuch wurden 40 Tonnen von Breedon produzierter, mit PureGRAPH angereicherter Zement verwendet. Nach Angaben von First Graphene ließ sich die für die Dachsteine benötigte Zementmenge um bis zu acht Prozent reduzieren, ohne die geforderte Produktleistung zu beeinträchtigen.

 

Das Unternehmen meldete eine Verringerung der CO₂-Emissionen „von der Wiege bis zum Werkstor“ um bis zu 14 Prozent. Erfasst wird dabei der Prozess von der Rohstoffgewinnung bis zu dem Zeitpunkt, an dem das fertige Produkt das Werk verlässt.

 

Die Ergebnisse belegen zwar eine Produktion in einer Industrieanlage, eine breitere Einführung ist damit jedoch nicht garantiert. Bauprodukte müssen strenge Leistungs- und Sicherheitsstandards erfüllen. Hersteller müssen zudem die Kosten des Graphens, die Versorgungssicherheit und die Frage prüfen, wie einfach sich der Zusatz in bestehende Prozesse integrieren lässt.

 

Nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union stellen die britischen Projekte keine kommerzielle Einführung innerhalb der EU dar. Sie könnten First Graphene jedoch als Referenz dienen, wenn das Unternehmen sein Baustoffgeschäft auf den europäischen Markt ausweiten will.

 

Das Unternehmen verfügt über eine EU-REACH-Registrierung und vertreibt seine Produkte in Europa über den Spezialchemikalienhändler Keyser & Mackay. Zudem betreibt es in Manchester eine Forschungs- und Marketingeinrichtung.

 

First Graphene gibt an, über eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 100 Tonnen Graphenmaterialien und mehr als 35 aktive gewerbliche Kunden zu verfügen. Diese stammen aus Bereichen wie Bauwesen, Verbundwerkstoffe, Beschichtungen und Energie.

 

Die nächste Bewährungsprobe für das Unternehmen wird darin bestehen, die mit Breedon und FP McCann erzielten Ergebnisse bei Herstellern und Bauprojekten innerhalb der EU zu wiederholen.

 

Das regulatorische Umfeld könnte diese Bemühungen unterstützen. Neben den neuen Offenlegungspflichten für Gebäude arbeitet die Europäische Kommission daran, durch öffentliche Beschaffung, eine Kennzeichnung der CO₂-Intensität und überarbeitete Normen für Bauprodukte Märkte für CO₂-ärmeren Zement und Beton zu schaffen.

 

Die überarbeitete Bauprodukteverordnung verpflichtet Hersteller außerdem dazu, Umwelteigenschaften einschließlich des Treibhauspotenzials anzugeben. Dadurch erhalten Gebäudeplaner besser vergleichbare Daten für die Auswahl von Materialien.

 

Graphen dürfte keine alleinige Lösung für das Emissionsproblem der Zementindustrie bieten. Klinkersubstitution, alternative Materialien, CO₂-Abscheidung und eine effizientere Nutzung bestehender Gebäude werden voraussichtlich eine größere Rolle spielen.

 

Je transparenter jedoch die mit Baustoffen verbundenen CO₂-Emissionen werden, desto stärker dürften Technologien in den Fokus rücken, die bei gleicher Leistung weniger Zement benötigen. Die britischen Projekte von First Graphene deuten darauf hin, dass sich graphenverstärkter Beton auch außerhalb des Labors herstellen lässt. Die kommerzielle Einführung innerhalb der EU bleibt die nächste Hürde.

 

Quellen

https://circularecology.com/news/eu-framework-calculating-whole-life-carbon-buildings

https://energy.ec.europa.eu/news/commission-encourages-low-carbon-construction-materials-calculation-framework-life-cycle-global-2025-12-16_en

https://environment.ec.europa.eu/news/commission-issues-new-guidance-decarbonise-buildings-2026-03-27_en

 

First Graphene Limited

Land: Australien

ISIN: AU000000FGR3

 

First Graphene - First Graphene

 

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